
Am Wochenende trifft Norwegen im Viertelfinale der Fußball-WM auf England – und Hovland lässt vor dem Scottish Open keine Gelegenheit für eine Spitze gegen seine englischen Kollegen aus.
Viktor Hovland gilt auf der Tour als einer der umgänglichsten Profis überhaupt – ein Mann, der eigentlich immer ein Lächeln übrig hat. Doch in dieser Woche in Schottland zeigt der Norweger eine andere Seite. Der Grund liegt allerdings nicht auf dem Golfplatz, sondern auf dem Fußballrasen: Am Wochenende trifft Norwegen im Viertelfinale der Fußball-WM auf England – und Hovland lässt vor dem Scottish Open keine Gelegenheit für eine Spitze gegen seine englischen Kollegen aus.
"Ein sehr sensibles Thema für sie"
Angesprochen auf das mögliche Geplänkel mit den englischen Profis im Feld gab sich Hovland zunächst diplomatisch – nur um dann doch nachzulegen. "Ich habe das Gefühl, es ist ein sehr sensibles Thema für sie, deshalb könnte es zu tief schneiden, wenn ich zu sehr draufdrücke", sagte der 28-Jährige auf der Pressekonferenz. Und schob dann grinsend hinterher: "Aber ja, ich hoffe, sie verlieren und kommen am Sonntagmorgen weinend heraus."
Dass die Bemerkung im Renaissance Club besonders gut sitzt, liegt an der schieren Zahl der Betroffenen: Mit Matt Fitzpatrick, Tommy Fleetwood, Tyrrell Hatton und Aaron Rai teilt sich Hovland die Anlage in dieser Woche mit gleich mehreren englischen Topspielern. Reibungsfläche gibt es also reichlich.
Norwegens historischer Lauf
Der Hintergrund für Hovlands Übermut: Die norwegische Nationalmannschaft erlebt bei dieser Weltmeisterschaft einen Höhenflug. Im Achtelfinale warf das Team um Superstar Erling Haaland Rekordweltmeister Brasilien mit 2:1 aus dem Turnier – für die Selecao das früheste WM-Aus seit 1990. Für Norwegen ist es der erste Viertelfinal-Einzug seit 1998.
Nun wartet England, das sich zuvor gegen Co-Gastgeber Mexiko durchsetzte. Für das Team von Trainer Thomas Tuchel dürfte vor allem Manchester-City-Angreifer Haaland zum Prüfstein werden. Und Hovland weiß genau, warum das Thema die Engländer trifft: Trotz der Rolle als Mutterland des modernen Fußballs steht in England seit dem WM-Titel 1966 kein weiterer großer Triumph zu Buche – ein Nervenpunkt, den der Norweger genüsslich ausnutzt.
Vom Stadion auf den Golfplatz – und der "Viking Row"
Hovland selbst bezeichnet sich zwar nicht als großen Fußballfan, doch der WM-Lauf hat ihn längst gepackt. Gemeinsam mit seinem Landsmann Kristoffer Reitan war er bei einem norwegischen Gruppenspiel im Stadion. "Das war mein erstes Mal. Es macht Spaß, man bekommt definitiv den Adrenalinschub", erzählte er.
Die Verbindung zwischen Golf und WM hat inzwischen einen eigenen Kult entwickelt: den "Viking Row". Bei der ruderartigen Jubelchoreografie der norwegischen Fans machte Hovland zuletzt selbst mit – ausgerechnet nach seinem dramatischen Sieg bei der Travelers Championship. Nachdem das Turnier wetterbedingt unterbrochen worden war, bezwang er Weltranglisten-Erster Scottie Scheffler am Montag im Stechen. Zahlreiche norwegische Fans, ohnehin für die WM in den USA, trugen die Choreografie von den Stadionrängen bis nach Connecticut. "Es hilft natürlich, wenn man Leute hat, die einen so anfeuern", sagte Hovland damals.
Sollte Norwegen am Samstag gegen England gewinnen, deutete der achtfache PGA-Tour-Sieger bereits an, dass es womöglich auch am ersten Abschlag des Scottish-Open-Finaltags einen "Viking Row" zu sehen geben könnte. Die schottischen Zuschauer dürften ihm dabei wohlgesonnen sein – ein englischer Rückschlag käme im hohen Norden Großbritanniens bekanntlich selten ungelegen.
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